Der Fluss der Hauptstadt soll wieder ein sauberes Gewässer werden, in das Flora und Fauna zurückkehren, und in dem die Menschen bedenken-
los baden können. Weltweit wenden sich Städte wieder ihren Flüssen zu. In Hamburg, Kopenhagen, München und Bern trifft man sich an den Ufern zum Flanieren und zum Baden. Auch Berlin hat die Spree nach jahr-
zehntelanger Vernachlässigung für sich entdeckt: Das Regierungsviertel liegt hier, Strandbars, Hotels auf Schiffen, Bürogebäude entstehen, dichtes Gedränge auf dem Bade-
schiff – die Hauptstädter wollen zum Wasser. Mehr noch: An heißen Sommertagen wollen sie gerne auch ins Wasser.
Obwohl viele Verschmutzungsquellen in den vergangenen Jahren beseitigt wurden, gibt es ein bisher fast unlösbares Problem: Wenn es stark regnet, läuft die Kanalisation über, und ein Gemisch aus verschmutztem Regenwasser und Abwasser aus den Haushalten fließt in die Spree. Das geschieht 20 bis 30 Mal pro Jahr. Herkömmliche Methoden zur Ver-
meidung der Verschmutzung – zum Beispiel der Bau unterirdischer Regenüberlaufbecken – sind auf-
grund der hohen Kosten allerdings kaum finanzierbar.
Die Initiatoren und Entwickler von SPREE2011 haben eine neue Tech-
nologie und ein neues Finanzierungs-
modell entwickelt, um diese Einlei-
tungen zu verhindern: Ein Modulsys-
tem aus miteinander verbundenen Behältern wird direkt im Gewässer vor den Einleitungspunkten der Kanalisation installiert. Die Anlage befindet sich unterhalb der Wasser-
oberfläche und wird an der Ge-
wässersohle verankert. Kommt
es während starker Regenfälle zu Überläufen, nimmt das System das Abwasser auf und speichert es. Lässt der Regen nach, und ist die Kanali-
sation nach einigen Stunden wieder frei, wird das Wasser zurückge-
pumpt. Durch die Verlagerung in das Gewässer und die Verwendung alternativer Materialien ist dieses Verfahren im Vergleich zu kon-
ventionellen Regenüberlaufbecken erheblich schneller und kosten-
günstiger zu installieren.
Zudem schafft die Oberfläche des Systems Raum für vielfältige Nutzungen, die in manchen Fällen sogar zur Finanzierung der Gesamt-
anlage beitragen können: Schilf-
inseln, Gartenanlagen, Plattformen oder Bebauungen mit Freilichtkinos und Cafés. Während sich das Leben im Wasser erholt, wird sich auch an seiner Oberfläche neues städtisches Leben entwickeln – auf dem Fluss.